Der Elefant im Raum

Timo kommt zum Abendessen. Ich habe ihn lange nicht gesehen. Er spielt jetzt im benachbarten Stadttheater. Wir reden über seine Proben, sein neues Engagement, seine Pläne. Wir reden über Tinder und ob man mit einer Frau zusammenwohnen kann ohne mit ihr zusammen zu sein. Dann fragt er mich irgendwann, wie es mir geht. Ich schaue ihn an. Naja, es geht, antworte ich, und erzähle ihm, wie schwierig es für mich mit Freunden und Bekannten manchmal ist. Denn die wenigsten Menschen können gut damit umgehen, dass ich nur ein Bein habe, sie sind unsicher und viele denken, dass sie fragen müssen, wie es mir denn damit geht. Sie wollen am liebsten hören, dass es mir schon besser geht, manche denken sich vielleicht sogar, es wäre unhöflich nicht danach zu fragen, wie es mir denn geht. Gar nicht darüber zu reden halten die meisten nicht aus. Vielleicht haben sie dann das Gefühl, die Geschichte mit meinem Bein steht wie ein Elefant im Raum und wir tun so, als ob er nicht da wäre und reden um den Brei herum. Denken sie. Aber wenn ich schließlich zum siebenundzwanzigsten Mal meine Geschichte erzähle, dann wissen sie auch nicht, wie sie reagieren sollen. Es entsteht oft eine mitleidige Stimmung, aus der wir nicht mehr leicht heraus kommen. Meist versuche ich, das Thema zu wechseln, weil es ja auch viele andere Dinge gibt, die mich weiterhin interessieren, und ich will auch überhaupt nicht immer über mein Bein reden.

Timo schmunzelt. Dann erzählt er, wie es ihm und seinem syrischen Freund oft geht, wenn sie neue Leute kennenlernen, die irgendwann fragen, woher sie kommen und sie erzählen müssen, dass sie aus Syrien geflüchtet sind. Viele Menschen machen sofort ein mitleidiges Gesicht. Ich kann es mir bildhaft vorstellen und muss lachen, als Timo sein Gesicht verzieht und es mir zeigt. Er hat eine großartige Mimik. Manche sagen dann, fährt er fort, oh, das tut mir leid, und viele fragen, ob die Eltern und Geschwister noch dort sind und wie sie das denn schaffen würden, sie hier und die anderen dort, und das muss doch bestimmt total schwierig sein. Das weitere Gespräch ist oft vorgezeichnet, es geht nicht mehr darum, was er mag und was er kann. Es ist vorbei mit der Unvoreingenommenheit, die Begegnungen zwischen Menschen so aufregend machen kann, wenn man sich kennenlernt, ohne Vorgeschichte und gerade daraus etwas Spannendes und Neues entsteht. Er wird reduziert auf den Umstand, dass er auch einer der „Flüchtlinge“ ist – oder zumindest schwingt diese Tatsache immer mit. Timo sagt, sein Freund und er versuchen die Frage des Gegenübers, woher sie denn kommen, zu erahnen. Sie machen sich einen Sport daraus, im richtigen Moment abzulenken und ein anderes Thema anzuschneiden. Ich kann sie gut verstehen, ihre Sehnsucht, als das wahrgenommen zu werden, was sie auch sind, zwei Burschen Anfang zwanzig, mit all ihren Fähigkeiten und Qualitäten, mit ihrem Humor und ihren Launen, im Hier und Jetzt.

Warum ist es so schwierig für uns, die geflüchteten Menschen zuallererst vorurteilsfrei als Menschen wahrzunehmen?

Ich frage mich, ob man den Elefanten im Raum, wenn er das denn tatsächlich ist, nicht auch einfach Elefant sein lassen kann, ob man die Syrerin nicht einfach Syrerin, den Afghanen einfach Afghanen sein lassen und dem Gespräch einen anderen Fokus geben kann – ohne dass es künstlich wirkt. Dazu müssten wir aber andere Fragen und andere Aspekte in den Vordergrund rücken lassen. Das sind wir nicht gewohnt. Die AMS-Beraterin sieht Timo durch die Brille des Arbeitsmarktes und fragt ihn, ob er sich vorstellen könnte als Koch oder Pflegehelfer zu arbeiten, denn da gibt es die meisten Jobs. So wie mein Arzt nur die Amputationsnarbe und der Orthopädietechniker nur die Prothese sieht. Sogar der Therapeut sieht oft nur die Muster seines Klienten. Nur der Liebende sieht den ganzen Menschen.

Deshalb ist es so schön zu erleben, wenn Menschen sich als liebevolle Patinnen und Paten der Geflüchteten erweisen. Was fehlt dir? Wonach hast du Sehnsucht? Was machst du gerne? Was kannst du gut? Was ist es, das du gelernt hast in deiner Situation, was du anderen geben möchtest? Ich glaube, das sind eher Fragen, die uns weiterbringen.

Jetzt im Sommer kann ich meine Prothese nicht so gut verstecken, genauso wie Timo seine dunklen Haare und Augen nicht verstecken kann. Es ist ja nicht so, dass man den Elefanten im Raum unbedingt ignorieren muss. Vielleicht kann man ihn auch einfach nur zur Kenntnis nehmen, da sein lassen, vielleicht ist er auch nicht in jeder Situation so riesengroß. Man muss mit mir auch nicht sofort über das fehlende Bein reden, und ob ich mich schon daran gewöhnt habe und wie es mit der Prothese geht. Man kann mir auch ganz einfach wie früher begegnen.

Einmal, hat Timo mir erzählt, ist er in ein Juweliergeschäft gegangen und hat sich umgeschaut. Er hat gespürt, dass der Verkäufer ihn mustert, sich innerlich fragt, was er da wohl möchte, mit seinen Blicken feststellt, dass er sich die meisten Schmuckstücke im Geschäft wohl ohnehin nicht leisten kann. Suchen Sie etwas Bestimmtes? Timo schaut ihn an, schaut ihm in die Augen. Er will nicht für einen potenziellen Einbrecher gehalten werden, der sich im Laden umschaut. Ja, sagt er, wissen Sie, es gibt eine Frau, die sehr viel für mich gemacht hat, ich möchte ihr gerne etwas Besonderes schenken. Da wandelt sich mit einem Mal der Blick des Verkäufers und mit ihm die ganze Situation. Er sieht Timo an, ist berührt, er berät ihn, sie plaudern, zwei Menschen, die sich begegnen, in Ehrlichkeit und Herzlichkeit, nicht mehr nur Verkäufer und Geflüchteter.

Ich mag sie, die Ohrringe, die Timo mir zum Geburtstag schenkt, weil ich die Geschichte dahinter so mag.

 

Mama, wie findet man eigentlich eine Freundin?

Wir sitzen im Garten. Mayiq erzählt mir von einem Freund, der sich verlobt hat. Er kommt auch aus Afghanistan und wohnt jetzt in Österreich, seine Verlobte jedoch lebt in England. Wieso in England, frage ich und wie kann er sich mit ihr verlobt haben, wenn sie gar nicht da ist und er nicht nach England darf. Mayiq klärt mich auf. Die Verlobung hat irgendwie am Telefon stattgefunden, die Eltern des Freundes haben das Mädchen ausgesucht, und sie hat zugestimmt.

Wie so oft ist mir vieles ein Rätsel und ich kann nicht einmal sicher beurteilen, ob ich wirklich alles genau verstanden habe, ob es mir nur so fremd ist und ich es deshalb nicht wirklich glauben kann oder ob es tatsächlich ein paar Ungereimtheiten gibt und irgendjemand in dieser Geschichte einfach ein paar Aspekte dazu erfunden hat. Aber manchmal geht es gar nicht darum, ob alles so hundertprozentig wahr ist. Mayiq lacht beim Erzählen, für ihn ist das Ganze auch eine Auseinandersetzung mit einem neuen, aufregenden Lebensentwurf, und ich merke, es steckt Bewunderung für seinen Freund dahinter und vielleicht auch ein wenig Neid.

– Träumst du auch vom Heiraten, frage ich ihn.

– Ja, aber ein bisschen später, meint er. Mama, wie soll ich ein Mädchen kennenlernen? Ich gehe in die Schule, dort sind fast keine Mädchen. Am Nachmittag fahre ich nach Hause, und am Wochenende gehe ich spazieren, oder ich bin bei einem Freund. Das ist nicht so leicht.

– Du musst dir aber selbst ein Mädchen suchen wenn du heiraten willst, scherze ich, oder soll ich eines für dich aussuchen?

Mayiq zögert.

– Ich weiß, bei euch suchen die Eltern ein Mädchen aus, sage ich, aber bei uns ist das nicht so.

– Ja, Mama, aber bei uns gibt es auch nicht so viele Möglichkeiten, ein Mädchen kennen zu lernen. ‚Bei uns‘ ist für ihn natürlich immer noch in Afghanistan.

– Es ist schon viel leichter, wenn sich die Eltern darum kümmern, stimme ich ihm zu, und ich meine es ernst. Du hast keinen Stress, dass du ein Mädchen findest, und wenn dich deine Eltern lieben, dann bist du sicher, dass sie ein nettes Mädchen für dich aussuchen werden.

– Ja, Mama, lacht er und freut sich sichtlich, dass ich ihn ein wenig verstehe. Einmal habe ich gesehen, wie ein Junge einfach ein Mädchen bei der Busstation gefragt hat, ob sie ihm seine Telefonnummer gibt. Ist das gut?

– Was? Nein, auf keinen Fall, sage ich, vielleicht hast du dich geirrt und die beiden haben sich schon gekannt. Bei der Busstation vor der Schule sieht man ja auch Schülerinnen aus einer anderen Klasse. Also wenn man ein Mädchen schon vom Sehen in der Schule kennt und dann ins Gespräch kommt, dann kann man es natürlich nach ihrer Nummer fragen. Aber doch nicht ein Mädchen, das du zum ersten Mal bei einer Busstation siehst. Ich erkläre ihm Banalitäten.

– Einmal hat mich am Bahnhof ein Mädchen nach meiner Nummer gefragt. Aber sie war komisch. Sie hat mich im Bus schon so angeschaut und dann beim Aussteigen ist sie mir nachgelaufen und hat mich nach meiner Nummer gefragt.

– Und? Hast du sie ihr gegeben?

– Nein, Mama, sie war komisch, ich war gar nicht in sie verliebt. Sie war dick.

– Ja, siehst du, am Bahnhof oder auf der Straße, da kannst du nicht so einfach irgendein Mädchen fragen, ob sie dir ihre Nummer gibt. Das geht nicht, das macht man bei uns einfach nicht.

Mayiq lacht.

– Aber der Junge bei der Busstation hat das Mädchen auch ganz einfach so nach ihrer Nummer gefragt.

– Das glaube ich nicht, bestimmt haben sie sich schon vom Sehen gekannt! Ich werde energischer. Du kannst nicht einfach so ein Mädchen auf der Straße nach seiner Telefonnummer fragen, das geht nicht! Und selbst wenn er sie nicht gekannt hat und sie danach gefragt hat, dann ist das kein Vorbild, verstehst du. Mach das bitte nicht!

– Ja, Mama, keine Angst, sagt er.

Aber ich merke, dass er trotzdem ein wenig unsicher ist, wie man sich in unserer Gesellschaft verhält. Und vor allem: Wo ist jemand, an dem er sich orientieren kann?

– Also, bei uns ist es so, dass man sich zuerst oft irgendwo unkompliziert kennen lernt, in der Schule, beim Sport,… ich hole aus. Ich meine, man kann sich schon auf der Straße kennenlernen, also wenn du zum Beispiel immer mit dem gleichen Bus fährst und ein Mädchen fährt auch immer mit dem gleichen Bus, dann kannst du sie schon grüßen oder anlächeln. Aber du musst ein bisschen versuchen zu spüren, ob sie das auch gut findet, ob sich dich auch mag. Also, wenn du zum Beispiel zu ihr sagst, schönes Wetter heute, und sie sagt, ja total warm und lacht dich an, dann ist das etwas anderes als wenn sie nur ja sagt und sich umdreht und weg geht.

– Ja, Mama, er tut gelangweilt, das weiß ich schon.

Ich komme mir vor wie ein Idiot, und gleichzeitig merke ich, dass wir gerade über ein Thema reden, das ihn vielleicht so wie kein anderes unglaublich beschäftigt. Ich lasse ihn nicht los.

– Ich glaube, du wünscht dir einfach einen Menschen, dem du alles sagen kannst, ein Mädchen, das dich total gut versteht, auch wenn du nichts sagst, das dich begleitet, mit dir durchs Leben geht, und ihr seid dann zu zweit und du bist nicht mehr alleine.

– Ja, sagt er.

– Hm, das verstehe ich. Du wirst ein Mädchen finden, ich bin sicher, flüstere ich schon fast.

Wir sind so verschieden, und doch verstehe ich ihn wirklich. Er ist alleine hier in Österreich und wünscht sich so sehr jemanden, der mit ihm diesen Weg geht, der ihn in seinem Leben begleitet. Er träumt von einer Frau, der er alles sagen kann, die spürt, was er fühlt, ihn auch angreift, berührt, hält, und auch er kann dann halten und zum Beschützer und Mann werden. Vielleicht eine Frau aus seiner Kultur, die, so wie er, ähnliche Erfahrungen gemacht hat. Denn nur wenn sie beide Welten kennt, die afghanische und die westliche, und auch für sie alles genauso fremd und verrückt ist wie für ihn manchmal, kann sie ihn wohl ohne viele Worte verstehen.

Mir geht es auch so. Letzten Herbst wurde mir der Unterschenkel amputiert, und ich wünsche mir jemanden, der mich versteht und der spüren kann, was ich fühle ohne viel zu sprechen. Vielleicht jemand, der auch einen Arm oder ein Bein verloren hat, denn ich denke mir, dass nur ein Mensch mit diesen Erfahrungen mich wirklich verstehen kann. Zumindest jemand, der sich auch mit seinem Körper versöhnen muss, der beide Welten kennt, die unversehrte und die andere, jemand, der die intime Auseinandersetzung und die Trauer nicht scheut.

Es ist eine uralte Sehnsucht, denke ich. Wir wünschen uns so sehr jemanden, der uns begleitet. Und dann, sich vom anderen verstanden fühlen, und daraus wieder Kraft zum Leben in der Gesellschaft schöpfen. Vielleicht liegt der Schlüssel zu einem Teil auch darin, dass wir zulassen, dass uns auch andere verstehen können, die nicht genau das gleiche erlebt haben wie wir. Dazu müssen wir aber persönlich werden und unsere Gefühle miteinander teilen, beide. Das ist das Spannende und zugleich das Spirituelle am Zusammensein mit den zu uns geflüchteten Menschen, dass die Ähnlichkeit mit deinen eigenen Gefühlen plötzlich, in kleinen Momenten, so augenfällig wird, wie Schuppen fällt es dir von den Augen: Wir sind gleich.

 

Wut

Es ist Samstag, der letzte Tag bevor ich ins Spital muss. Der plastische Chirurg hat mir alles erklärt. Sie werden den Tumor am Unterschenkel entfernen und um die Wunde zu schließen einen Muskel am Rücken und Spalthaut vom Oberschenkel entnehmen. Ich habe teilnahmslos und gleichzeitig interessiert zugehört, als ob es um eine andere Person als um mich ginge. Morgen werde ich im Spital aufgenommen.

Ich hatte das Bedürfnis, einigen für mich wichtigen Menschen mitzuteilen, dass ich sie in guter Erinnerung habe und wir eine besondere Zeit verbracht haben. Es ist eine große Operation, man weiß ja nie. Auch Mayiq möchte ich gerne noch einmal sehen. Irgendwie hat es sich nicht ergeben in den letzten Tagen. Er arbeitet in einer Pizzeria in einer anderen Stadt, und an seinem freien Tag hatte ich keine Zeit. Immer wieder hat er gefragt, ob ich nicht hinkommen will, gemeinsam mit meinem Mann und den Kindern, die aber nie richtig Lust verspürten. Nun wird die Pizzeria in wenigen Tagen schließen. Wir telefonieren, aber ich bin nicht richtig bei der Sache. Ich fühle mich verantwortlich für ihn und will ihn gerne treffen – und gleichzeitig will ich ihn gerade heute auch wieder nicht sehen, oder nur kurz, weil ich den letzten Abend vor diesem längeren Spitalsaufenthalt in Ruhe mit meiner Familie verbringen will. Wir vereinbaren, dass wir am Nachmittag noch einmal telefonieren. Ich sage ihm aber gleich, dass er nur kurz vorbeikommen kann, weil ich noch meine Sachen packen muss und dass er am Abend keine Pizza bringen soll, weil wir wahrscheinlich schon früher essen. Das mit dem Packen ist natürlich eine Notlüge. Ich bin nervös und will einfach nichts planen.

Der Tag neigt sich dem Ende zu, und ich wünschte er würde nie aufhören. Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, im Spital zu sein, noch dazu im Sommer! Aber vielleicht ist ja alles in zwei Wochen vorbei. Ich fühle mich schon jetzt allein gelassen von meiner Familie. Da ruft Mayiq an. Er möchte uns gerne heute Pizza bringen, es ist vielleicht der letzte Tag, an dem die Pizzeria offen hat, und welche wir denn wollen. Ich bin sofort schlecht gelaunt. Er hat mich offenbar nicht ernst genommen am Vormittag. Mayiq, es geht nicht, wir haben schon etwas anderes gekocht, sage ich unwirsch ins Telefon, ich habe dir doch gesagt, dass du nichts zu essen bringen brauchst. Mayiq lässt sich überhaupt nicht abbringen, er möchte uns heute gerne auf Pizza einladen, uns alle, und schließlich will er mich ja auch noch sehen. Mayiq du kannst nur kurz kommen, schreie ich ins Telefon, ich muss noch meine Sachen packen, ich habe keine Zeit! Außerdem wird die Pizza kalt bis du bei uns bist. Er lässt sich von meinem Geschrei kaum beeinflussen, ob ich ihn denn nicht vielleicht abholen könnte. Ich raste aus. Mayiq, ich habe überhaupt keine Lust dich mit dem Auto von irgendwo abzuholen, verstehst du, es ist mein letzter Tag bevor ich ins Spital muss! Was machst du, Mama, fragt er mich? Es ist egal was ich mache, ich habe keine Lust, schreie ich. Ich bin total wütend. Aber irgendwie tut er mir auch leid und ich verstehe ihn. Ich habe ihm viel geholfen, und jetzt arbeitet er in dieser Pizzeria, und es ist für ihn eine Gelegenheit etwas für mich zu tun. Außerdem hat er keine Familie und er wünscht sich nichts sehnlicher als meiner Familie Pizza mitzubringen und sie gemeinsam mit uns zu essen. Ich seufze ins Telefon. Wenn ich nicht so wütend wäre… Er wartet auf meine Reaktion und ich spüre, wie wichtig es ihm ist und wie schön er sich alles ausgemalt hat in seinem Kopf. In Wirklichkeit habe ich nichts Besonderes zu tun, sage ich mir, wenn ich ehrlich bin, weiß ich mir gerade nichts mit mir selbst anzufangen und habe das Gefühl, es versteht mich ohnehin keiner.

Man sucht sich den einen Flüchtling, um den man sich besonders kümmert, nicht bewusst aus, denke ich, aber vielleicht stimmt das auch nicht. Mit Mayiq war es so, dass mich eines Samstag nachmittags eine Bekannte anrief. Sie wollte ihn nach einem Spielenachmittag ins Flüchtlingsquartier zurückbringen, er wohnte in Wirklichkeit aber gar nicht dort. Er hatte ausziehen müssen aus seinem Privatquartier und wollte einfach in das Heim zurück, das er schon kannte und in dem seine Freunde waren. Ich sagte zu, mich in der nächsten Woche um einen Wohnplatz für ihn zu kümmern. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich ihn zwei Mal bei anderen Gelegenheiten gesehen. Weil die Suche nach einer Unterkunft dann ziemlich kompliziert war, ergab es sich, dass wir weiterhin viel miteinander zu tun hatten und ich begann, mich für ihn verantwortlich zu fühlen – es war auch niemand anderer sonst da. Ich mag ihn gerne, aber ich finde, er lacht viel zu oft, auch wenn es gar nicht passt. Überhaupt hat er einen eigenartigen Humor, und wenn er bedrückt ist, redet er gar nichts. Heute weiß ich, dass er mit ziemlicher Sicherheit traumatisiert ist.

Vor ein paar Tagen habe ich einen kurzen Vortrag über ehrenamtliche Arbeit vor einer kleinen Gruppe von Studierenden gehalten. In der anschließenden Diskussion haben wir überlegt, ob und wie sie in unserem lokalen Flüchtlingsnetzwerk mithelfen könnten. Ich erzählte, beantwortete Fragen und fand mich ziemlich in Fahrt – während die anderen teilweise mit ausdruckslosen Gesicht da saßen und manche aus meiner Sicht sogar gelangweilt wirkten. Warum kann ich sie nicht begeistern, fragte ich mich. Erst ein paar Tage später konnte ich es mir ein wenig erklären. Diese Menschen wussten überhaupt nicht, was sie wollten, irgendwie hatten sie die vage Idee, dass sie helfen könnten – vielleicht weil Helfen doch eine gute Sache ist. Ob der direkte Kontakt mit fremden, geflüchteten Menschen aus einer anderen Kultur aber überhaupt etwas für sie ist, da waren sie ziemlich unsicher. Und ich? Ich finde ja das Gefühl, jemandem geholfen zu haben, ist tatsächlich ein wunderschönes. Ich habe allerdings an diesem Abend kaum über meine Gefühle gesprochen, und wie es für mich wirklich ist, dass es mir zuallererst um den direkten, echten Kontakt, um die Begegnung geht – und dass dann, meist über Augenkontakt, dieses unsichtbare Band entsteht, das uns Menschen verbindet.

Das war für mich wahrscheinlich eine der wichtigsten Erfahrungen in den letzten Jahren, diese klare und tiefe Verbindung mit wildfremden Menschen aus ganz anderen Ländern zu spüren. Sie ist bei einigen Flüchtlingen, die ich kennengelernt habe, sofort da gewesen und sehr stark, und bei manchen ist sie nur ein dünner Faden. Mit Mayiq ist es so, dass ich diese Verbindung immer wieder suchen muss, sie ist nicht so offensichtlich wie bei anderen. Ich finde sie dann manchmal auch erst, wenn ich durch meine Gefühle, meinen Ärger oder meine Wut gegangen bin. Vielleicht ist das auch in allen Beziehungen so. Ich habe es nur jetzt erst so richtig verstanden.

Ich beschließe ihn abzuholen, hauptsächlich weil ich mit ihm reden möchte. Ich will von ihm ernst genommen werden. Es ist ein heruntergekommenes Fast Food Restaurant, aber er präsentiert sich so stolz als ob er der Besitzer wäre. Zuhause essen wir nur einen Bruchteil der Pizza. Wir reden darüber, ob Frauen in Afghanistan selbst entscheiden dürfen, wann sie Besuch bekommen wollen, wenn sie zum Beispiel ein Baby geboren haben, und ob es in Krankenhäusern überhaupt Essen gibt. Ich muss mir immer wieder konkret vorstellen, wie Mayiq aufgewachsen ist, dann kann ich ihn besser verstehen. Gleichzeitig mache ich ihm lautstark klar, wie wichtig es für mich ist, selbst entscheiden zu können und ich schärfe ihm ein, dass er mich erst im Spital besuchen darf, wenn ich es erlaube.

Es waren dann mehrere Krankenhausaufenthalte. In zwei Wochen war noch nichts erledigt. Einmal durfte er mich schließlich besuchen kommen – und ich habe mich total gefreut.

Zu wenig

Egal was ich tue, es ist immer zu wenig.

Mayiq hat einen positiven Bescheid. Jetzt macht er den Hauptschulabschluss nach, aber der Kurs, in den ihn das AMS gesteckt hat, ist lächerlich. Es gibt keine Mathematik-, Biologie- oder Englischlehrer, daher wird Mayiq nur in Deutsch unterrichtet. Der Hauptschulabschluss ist ein fake. Ich sollte mich aufregen oder mich nach einem besseren Ausbildungsplatz erkundigen. Er möchte auch ins Fitness-Center gehen. Ich könnte ihm eine Monatskarte bezahlen. Letzten Mai hat er mir eine Nachricht geschickt: „Alles Gute zum Muttertag!“ Ich habe immer wieder das Gefühl, es ist zu wenig, was ich für ihn tue.

Timo ruft mich an. Manchmal seufzt er nur am Telefon. Manchmal erzählt er mir von den Dingen, die ihn beschäftigen. Jetzt möchte er plötzlich ein Buch schreiben. Es soll den Titel haben: „Was hundert Syrer denken.“ Er möchte dazu hundert Syrer auf der ganzen Welt interviewen und beweisen, dass sie ganz ähnlich wie wir denken. Ich finde es eine großartige Idee, richtig gut, aber sonst fällt mir nicht viel mehr ein. Ich habe ihm zugehört, aber ich denke, das ist zu wenig. Könnte ich ihm nicht weiterhelfen, damit er diese Idee auch umsetzen kann?

Mucib, der Lässige, er hat einen Sprachfehler, er lispelt, vielleicht ist er deshalb so schüchtern. Immer schickt er jemand anderen vor, um mit mir zu reden. Nur einmal, als wir an einem warmen Sommerabend spazieren gegangen sind, hat er mir erzählt, wie er, als die Luft des Schlauchboots auf dem Weg übers Meer ausging, verzweifelt geheult hat, und sie aber schließlich gerettet wurden. Sein Deutsch ist mager. Er ist auch einer von denen, die ich lieber wortlos umarmen würde, anstatt gute Ratschläge zu geben. Mucib zittert jetzt davor, dass sein Antrag auf subsidiären Schutz nicht verlängert wird. Seinem Freund ist das gerade eben passiert. Manchmal gehe ich mit ihm und seinen Freunden Mittag essen. Ich weiß nicht, was ich tun sonst könnte. Ich habe nur das Gefühl, es ist jedenfalls zu wenig.

Und dann natürlich die Arbeit für das lokale Flüchtlingsnetzwerk, sich mit anderen vernetzen, sich engagieren gegen Abschiebungen, Öffentlichkeitsarbeit, man könnte Briefe schreiben, einen besseren Auftritt auf facebook gestalten, Kontakte knüpfen, sich organisieren, und vieles mehr. Es ist immer zu wenig.

Sofort nach Ute Bocks Tod bin ich für ein paar Wochen in ein richtiges Fieber verfallen. Die Nachricht, dass sie gestorben ist, hat mich getroffen, völlig unerwartet, denn ich habe sie nicht gekannt, ich bin ihr nie begegnet. Ich kannte nicht einmal Leute aus ihrem Verein. Was hat diese Person ausgemacht? Wie hat sie es geschafft, so viele in ihren Bann zu ziehen? Die Demonstration am Heldenplatz war beeindruckend. Es gibt zwei Filme über Ute Bock: Einen Dokumentarfilm und einen Film mit nachgestellten Szenen. Es spielen Josef Hader, Karl Markovics, Roland Düringer und andere – nur Ute Bock spielt nicht, sie ist immer sie selbst. Ihr Standpunkt war immer die Menschlichkeit, ohne Ausnahmen, und sie war in keiner Weise korrumpierbar. Nie. Das war aus ihrem Leben und ihrem täglichen Handeln ersichtlich. Sie hat viele Jahre in demselben Haus gelebt, in dem sie gearbeitet hat, ist nur zum Schlafen einige Stockwerke höher in ihre Wohnung gegangen, oft erst sehr spät abends, um am nächsten Tag wieder früh aufzustehen und von vorne zu beginnen. Sie hat kaum ein eigenes Privatleben gehabt. Und doch hatte sie dasselbe Gefühl: Was ich tue, ist zu wenig. Absurd.

Ich kenne auch Menschen, die drohen, an der ehrenamtlichen Arbeit mit Flüchtlingen zu zerbrechen oder ihr Engagement zurück geschraubt haben: Weil der Staat ihre Bemühungen nicht unterstützt; weil es zu traurig ist, wenn Menschen abgeschoben werden, untertauchen, verschwinden; weil die geflüchteten Menschen den Kontakt zu ihnen abgebrochen haben; weil sie das Gefühl haben nichts oder zu wenig „zurück zu bekommen“.

Wie können wir eine Balance finden, zwischen Engagement und Ausruhen, Anspannung und Entspannung? Wann ist genug getan? Wie bekommt man in der ehrenamtlichen Arbeit mit Flüchtlingen das Gefühl, dass es gerade recht ist?

Oder liegt es doch an mir? Dass ich ständig das Gefühl habe, ich tue zu wenig, ich tue das Falsche, ich vergeude meine Zeit mit Unwichtigem… Das Schlimmste ist meine plötzliche Unlust, die mich manchmal überkommt. Ich mag dann nicht mehr. Gar nichts mehr. Vergrabe mich unter einer Decke und träume davon, in einer besseren Welt aufzuwachen.

Wer mich hier rausholt? Ich habe das Gefühl, es sind die Frauen. Madita, die tschetschenische Köchin, die mich in ihre intimsten Geheimnisse einweiht und mir von ihrem platonischen Liebhaber erzählt, den sie übers Internet kennengelernt hat. Er ist über zehn Jahre jünger. Ihren Mann hat sie nie geliebt, aber das ist in Tschetschenien anders, mit fünfundzwanzig solltest du heiraten, sagt sie, sonst finden dich die anderen Leute komisch. Mit ihren Brandwunden an den Beinen hatte sie das Gefühl gehabt, sie findet keinen Mann mehr. Madita sorgt für ihre drei Kinder, und sie hat oft ein verschmitztes Lachen, wenn sie nach Worten sucht.

Oder Shakira, die mich in jeder whatsapp Nachricht nur Schatzi oder Süße nennt. Sie wäre in Afghanistan verheiratet worden und hätte ihr Studium nie beenden können. Ich konnte mich nicht wehren, als sie mir ihren knallroten Lippenstift auf die Lippen geschmiert hat, weil doch der erste Frühlingstag ist, hat sie gemeint. Diese Frauen kann man auch umarmen, wenn man nicht mehr weiter weiß.

Ich muss Madita wieder sehen. Und Shakira. Von ihnen kann man leben lernen.

***

Diesen Blog habe ich vor etwa sechs Wochen geschrieben. Vor vier Wochen habe ich erfahren, dass ich einen bösartigen Tumor am Unterschenkel habe. Jetzt hat sich vieles geändert, auch in meinem Denken. Eines davon ist das: Es war nicht zu wenig, was ich getan habe.

 

Faust oder das Recht zu wünschen

Ich gehe mit fünf Männern ins Theater. Die Gedanken, ob es komisch ist oder immer komisch sein muss, wenn eine Frau mit fünf jüngeren Männern ausgeht, habe ich erfolgreich verdrängt, als ich die Karten im Internet gekauft habe. Aber jetzt, wo ich mit ihnen auf der Straße stehe, sind sie wieder da und lassen sich nicht so einfach wegwischen. Ich muss über mich selber schmunzeln. Weglachen, das geht ein wenig besser.

Sie alle kennen sich von früher, von einem Notquartier, das im Herbst 2015 eingerichtet wurde und in dem ich damals einen spontanen Deutschkurs gehalten hatte. Den Kontakt zu ihnen habe ich danach nie so richtig abgebrochen und nun einfach sechs Karten gekauft, um ihnen ein Theater zu zeigen. Sie waren noch nie in ihrem Leben in einem Theater, und bestimmt gibt es dringendere Dinge für sie als „Die Leiden des jungen Faust“ zu sehen, eine moderne Inszenierung von Szenen aus Faust.

Auf dem Weg in die Stadt lese ich mir die Inhaltsangabe von Faust durch. In der Schule mussten wir Auszüge davon lesen. Es war damals todlangweilig, ich hatte aber auch später nie wirklich kapiert, warum diesem Stück eine so große Bedeutung in der Literaturgeschichte beigemessen wird. Nie würde ich es mir ansehen, wenn nicht Timo, der syrische Bursche, den ich seit etwa eineinhalb Jahren begleite, mitspielen würde. Aber jetzt bin ich gespannt und versuche also krampfhaft, mich für die Geschichte von Faust zu begeistern. Kilian Kleinschmidt, der jahrelang für die UNO verschiedene Flüchtlingslager geleitet hatte, hat einmal gesagt: „Jede/r Helfer/in hilft auch sich selbst.“ Diesen Satz hab ich sofort gut verstehen können. Ich habe das von Anfang an gewusst und gespürt, dass ich, wenn ich mich im Flüchtlingsbereich engagiere, anderen höchstens ein kleines bisschen helfe, und in viel größerem Ausmaß, ja eigentlich sogar in erster Linie mir selbst. Jetzt also mussten mir die Flüchtlinge helfen, Faust zu verstehen.

Das Stück beginnt und es zieht mich sofort in seinen Bann, denn es stellt die Frage, was an Faust für uns heute, in unserer Zeit, aktuell ist: Was sind unsere Wünsche? Was sind vor allem die Wünsche der Menschen in unserer Gesellschaft heute?  Die jungen Schauspieler auf der Bühne geben verschiedene Antworten. Einer nach dem anderen tritt vor ein Mikrofon. Es sind manchmal banale Dinge, dann wieder langjährige Träume oder unrealistische Phantasien, die sie sich wünschen. Ein Mädchen sagt: Ich möchte gern in Stöckelschuhen gehen können. Plötzlich geht auch Timo in die Mitte der Bühne zu dem Mikrofon. Timo, der, als der Krieg in Syrien begann, zunächst versuchte, sich durch das Anrauchen von Wasserpfeifen Geld zu verdienen und dann im Alter von vierzehn Jahren seine Familie verlassen hatte. Timo, der von seinem älteren, stärkeren Cousin getreten und geschlagen wurde, als er völlig auf sich allein gestellt war. Timo, den seine Mutter noch bis zur Grenze der innerstaatlichen Zone begleitet hatte und die dann den Soldaten nicht zeigen durfte, dass sie weinte, damit sie ja nicht ahnen konnten, dass er womöglich für immer weg ging. Timo, der auf seiner Flucht mit den Kämpfern des IS verhandeln musste, damit sie ihn weitergehen ließen und schließlich von ihnen verschont wurde, bis auf dass sie ihm die Haare abrasierten; der das unbekannte dreijährige Mädchen, dem man Beruhigungsmittel gegeben hatte, damit es die Flüchtenden nicht verrät, stundenlang durch den Wald getragen hatte; und der schließlich in einem der winzigen Schlauchboot die gefährliche Fahrt übers Meer von der Türkei nach Griechenland geschafft hatte. Nach dieser langen Reise und viel zu kurzen Kindheit, die durch den Krieg jäh unterbrochen wurde, geht er jetzt in die Mitte der Bühne und sagt: „Ich möchte nicht alleine sein.“

Mir bricht das Herz, und ich bin froh, dass ich nicht alleine im Theater bin, dass es Zeugen gibt. Es ist völlig egal, ob die fünf Männer neben mir dieses Theaterstück verstehen oder nicht. Sie alle sprechen nicht besonders gut Deutsch, aber es ist gut genug, um diesen klar ausgesprochenen Satz eines jungen syrischen Mannes zu verstehen und zu sehen, dass ein paar hundert Leute im Saal, auf den Balkonen, am ersten Rang und auf der Galerie, Männer und Frauen, diesem Satz lauschen. Es hat sich jetzt schon gelohnt. Vielleicht auch, weil sie sehen, was Theater ist und was Theater sein kann. Ein Ort, an dem Sehnsüchte ausgesprochen werden können.

Und gleich nach Timo kommt ein wohlerzogener Gymnasiast und erklärt, dass er nichts wünscht, weil er alles hat und ihm schon immer alle Wünsche erfüllt wurden und er daher nichts begehrt und einfach sein Leben genießt. Später ist Timo der Amor, er schwebt mit weißen Engelsflügeln über die Bühne, er darf tanzen und umarmen. Transvestiten treten auf und Liebessehnsüchte werden beteuert. Ich bin gebannt, aber noch viel gebannter verfolgen die afghanischen Männer das Schauspiel und es gelingt, was ganz selten gelingt, dass sie vergessen, lachen, sich überraschen lassen, staunen und sehen, was alles möglich ist und wie breit und weit das Leben sein kann. Ich weiß, dass es auch egoistisch von mir ist, ihnen diese Breite und Fülle zu zeigen, mein Leben, unser Leben hier, denn sie sind diejenigen, die nichts haben, und es ist alles noch ungewiss: Werden sie hier bleiben dürfen? Werden sie Arbeit finden und sich hier wohlfühlen? Ich bin diejenige, die noch am selben Abend nach Hause zu ihrer Familie zurückkehren kann und alles hat. Es ist wieder einer dieser Widersprüche, denn trotz dieser Diskrepanz und dieser Kluft, die zwischen unseren Leben liegt, spüre ich von ihnen großen Respekt mir gegenüber, auch echte Dankbarkeit. Ein Gefühl, dass sie mich sehr schätzen. Vielleicht ist es gerade wegen dieser Ehrlichkeit, mit der ich versuche, auf sie zuzugehen. Und vielleicht schweißt uns dieses gemeinsame Fühlen auch irgendwie, über alle Gegensätze hinweg, zusammen.

Es wird ein wunderschöner Abend, über den ich mich noch lange freue, als wir später gemeinsam essen gehen, und ich ihnen ein wenig über die Geschichte von Faust erzähle. Nur Jusafa, der Englischlehrer aus Syrien, der sehnsüchtig darauf wartet seine Frau und seinen jungen Sohn aus Rakka nachholen zu können, ist nachdenklich traurig. Ich sehne mich so sehr nach meiner Familie, meint er, und darüber hinaus, ich, der ich hier in Sicherheit bin, habe ich überhaupt das Recht mir noch etwas anderes zu wünschen, als dass ich meine Frau und mein Kind irgendwie, irgendwo auf dieser Welt wiedersehen kann? Ich habe sonst keine Wünsche, sagt er mir. Und wenn ich andere Wünsche verspüre, komme ich mir entsetzlich schlecht vor. Darf ich noch andere Wünsche haben?

Die Verhandlung

Seit vier Stunden sitze ich in dem kahlen Raum. Es riecht nach neuem Teppichboden. Mayiq sitzt etwa fünf Meter vor mir mit dem Rücken zu mir, ich kann sein Gesicht nicht sehen. Der Tisch des Richters ist etwas erhöht ihm gegenüber. Es ist drückend heiß. Immer wieder richtet er sich seine schwarze Robe zurecht und fährt sich durchs Haar. Er wirkt ein wenig genervt, manchmal auch traurig und nicht ganz bei der Sache. Er steht auf und öffnet das Fenster. Die Jalousien klappern im Wind, Verkehrslärm erfüllt den Raum, die Protokollführerin muss rückfragen, weil sie die Antworten nicht versteht.

Seit vier Stunden unaufhörlich Fragen: Aus wie vielen Personen besteht ein Polizeiposten? Was haben die anderen Polizisten getan, als ihr Bruder die Taliban getötet hat?  Meist sieht der Richter Mayiq direkt an, dann wieder die Übersetzerin, oder er blättert in seinen Unterlagen. Mayiqs Rechtsberater überreichte dem Richter am Beginn der Verhandlung einen Stoß Zettel. Bevor es zur Verhandlung kam, hatte ich Kontakt mit Mayiqs Klassenlehrerin aufgenommen. Sie initiierte die Schüler und Schülerinnen dazu, etwas für Mayiq zu schreiben, wie sie ihn wahrnehmen, was sie ihm wünschten. Über zwanzig handgeschriebene A4-Seiten von Mädchen und Burschen aus acht verschiedenen Nationen seiner Klasse liegen nun auf dem Tisch im Gerichtssaal. Ich habe die Lehrerin nie gesehen, aber ich nehme mir vor, ihr noch einmal ausführlich dafür zu danken. Jeder tut, was er kann, denke ich, und manchmal weiß man nicht, was man bewirkt.

Mayiq versucht gewissenhaft zu antworten. Er hat seinen Rucksack auf dem Schoß und hält sich daran fest. Warum stellt er ihn nicht einfach auf den Boden? Ich hätte ihm sagen müssen, dass er sich bequem hinsetzen kann, denke ich. Wir alle, der Richter, die Schriftführerin, der Rechtsberater und ich lauschen der Übersetzerin. Manchmal sind Mayiqs Sätze viel länger und sie übersetzt sie nur mit ein paar kurzen Worten. Manchmal ist es genau umgekehrt, er antwortet kurz und sie holt länger aus, um uns seine Antworten zu erläutern. Unlängst erzählte mir ein Bursche, der Übersetzer habe ihm beim Hineingehen in den Verhandlungssaal, als er gesehen habe, wie nervös er war, zugeflüstert: Du brauchst keine Angst zu haben, du bekommst eh einen positiven Bescheid.

Es ist noch immer unerträglich heiß, der Richter öffnet ein weiteres Fenster. Wurden bei dem Vorfall auch Zivilisten getötet? Wie viele? Haben Sie gesehen, wie sie getötet wurden, fragt er weiter. Da wird das Fenster vom Wind zugeworfen und klemmt die Jalousie ein. Der Richter fährt herum. Rasch schließt er beide Fenster und beteuert aufrichtig, dass die teuren Jalousien auf keinen Fall kaputt werden dürfen. Der Satz reißt mich aus meinem Trance-Zustand. Seine Stimme klang plötzlich ganz anders, besorgt, menschlich und sehr natürlich. Ich bin verwirrt und auch ein wenig erstaunt. Fahren Sie fort, meint er gleich darauf zu Mayiq. Er hat seine gewohnte Amtsstimme wieder gewonnen. Haben Sie gesehen, wie die Menschen getötet wurden? Wir sind zurück, mitten in Mayiqs Fluchtgeschichte, nur ich brauche noch etwas länger. Nein, übersetzt die Dolmetscherin, ich habe nur gesehen, wie die Toten in einem alten Lastwagen am nächsten Tag wegtransportiert wurden. Ich habe nicht gesehen, wie viele es waren, aber es waren schon viele.

Ich bin erschöpft, obwohl ich seit vier Stunden nur da sitze und zuhöre. Manchmal schicke ich Stoßgebete ins Universum. Mayiq muss zum dritten Mal in dieser Woche seine Geschichte erzählen. Ein paar Tage vorher gingen wir zu einer privaten Rechtsanwaltskanzlei, um uns beraten zu lassen. Mayiq erzählte seine Geschichte, immer wieder stockte er, er war nervös und hatte den ganzen Tag noch nichts gegessen. Sie müssen gut vorbereitet sein, schärfte ihm die Anwältin zum Schluss ein, und Sie müssen vor allem fit sein. Als wir hinausgingen sah sie mich an. So schafft er das nicht, meinte sie. Machen Sie mit ihm eine Zeitleiste, er soll versuchen, sich nochmal an alles genau zu erinnern. Mir fielen plötzlich die guten Ratschläge der Sozialarbeiter in den Flüchtlingseinrichtungen ein: Wir sollen keine Fragen stellen, vor allem nicht zur Flucht, wurde den ehrenamtlichen Helferinnen immer wieder eingeschärft. Ich sah zu Mayiq neben mir, es war eine unendlich traurige Geschichte.

Ich nahm mir vor, mit ihm eine Zeitleiste zu machen. Ein paar Tage vor der Verhandlung fragte ich Mayiq, ob er das mit mir machen wollte. Wir saßen auf der Terrasse im Schatten. Ich holte ein Blatt Papier und ein paar Buntstifte und trug in etwa die Daten ein, die in seinem ersten Protokoll standen. Langsam kam Leben in ihn, er begann sich zu erinnern. Wir gingen die wichtigsten Daten durch, aber die Monate und Tage kamen ihm immer wieder durcheinander. Der afghanische Kalender ist nicht derselbe wie unserer. Ich sah überhaupt keinen Sinn mehr in dieser Übung. Es war heiß, er war müde. Dann kamen wir zu dem Tag, an dem sein Cousin getötet wurde. Er legte seine Arme auf den Tisch und bettete seinen Kopf darauf. Wir schwiegen eine Weile. Sollen wir für ihn beten, fragte ich. Mayiq gab keine Antwort. Ein wenig später sagte er, er wollte nur ein wenig schlafen. Ich zündete mir eine Zigarette an, trank einen Schluck Wasser und setzte mich ein paar Meter weit weg von ihm. Wir können die afghanischen Burschen nicht in den Arm nehmen, so wie es uns natürlich erscheinen würde. Er war mit seiner Trauer alleine, aber ich wollte zumindest neben ihm bleiben. Nach einiger Zeit meinte er, er möchte weiter machen. Wir redeten noch ein bisschen, dann packte ich die Zettel weg. Er wollte sie nicht mitnehmen, ich sollte sie für ihn aufheben. Als er weg war, versenkte ich sie in meiner untersten Schreibtischlade.

Endlich scheint die Verhandlung zum Ende zu kommen. Das Protokoll wird ausgedruckt und Mayiq muss es nochmals durchlesen. Ob er noch etwas sagen möchte, fragt der Richter. Ich habe das Recht zu leben, und ich möchte nicht sterben, sagt Mayiq. Ein Satz in aller Klarheit, so kenne ich Mayiq gar nicht. Er hat wahnsinnige Angst abgeschoben zu werden, ich weiß es, habe es immer wieder verdrängt in den letzten Wochen und manchmal versucht ihn aufzumuntern. Wenn das alles vorbei ist, feiern wir ein Fest, habe ich mir geschworen.

Was würde ich machen, wenn Mayiq einen negativen Bescheid bekommt und abgeschoben werden soll? Ich kann es mir nicht vorstellen. Würde ich versuchen, es zu verhindern? Ihn in unserer Wohnung verstecken? Und wenn die Polizei kommt? Ich kann gut lügen. Ich stelle mir vor, dass ich den Polizisten einen Tee oder einen Schnaps anbiete, wenn sie mitten in der Nacht kommen. Sie würden mir wahrscheinlich glauben, wenn ich sage, ich habe keine Ahnung, wo er ist. Aber ich bin nicht gemacht für solche Aktionen. Ich würde vor Angst sterben. Manchmal denke ich, mir ist noch nie etwas wirklich Schlimmes im Leben passiert. Ich hatte Krisen, aber es ist immer irgendwie weitergegangen.

In den kommenden Wochen muss ich immer wieder an den Richter denken: Was macht er wohl jetzt gerade? Hat er Kinder? Geht er ins Fitness-Center? Brütet er über alten Akten oder hat er gerade eine Verhandlung? Manchmal stelle ich mir vor, dass er gerade jetzt Mayiqs Bescheid verfasst, dann schicke ich ihm meine Gedanken.

Mitten im Urlaub bekomme ich eine Nachricht von Mayiq, ein Bild von seinem positiven Bescheid. Ich kann es kaum fassen und rufe ihn gleich an. Hallo Mama, lacht er ins Telefon. Er ist gerettet. Ich auch.

Verstehen

In Aleppo ist es jetzt angeblich wieder ruhiger.

Timos Eltern und seine jüngere Schwester wohnen im Nordwesten von Aleppo, in einem vom Assad- Regime kontrollierten Stadtteil. Timo telefoniert von Zeit zu Zeit mit ihnen. Die Eltern melden sich, wenn sie Internetempfang haben. Dann versucht Timo meist rasch zurückzurufen. Wenn er zu viel Zeit vergehen lässt, kann es passieren, dass er sie nicht erreicht. Oft schicken sie sich auch Sprachnachrichten. Manchmal melden sie sich tagelang nicht. Es gibt Telefonate, die voller Tränen sind und solche, die eher an der Oberfläche bleiben. Zwei Welten. Wie sollen die Eltern dort verstehen, warum der Sohn da drüben in dem reichen Europa nicht schon längst arbeitet und Geld verdient? Und warum schickt er ihnen keines?

Ich weiß nicht, wie man sich fühlt, wenn die Eltern und die kleine Schwester im Krieg sind, während man selbst weit weg und in Sicherheit ist. Irgendwie habe ich das Gefühl, die Beziehung zu ihnen ist noch ein bisschen leichter für Timo, wenn es ihm hier auch schlecht geht. Wenn es ihm gut geht, hat er oft ein schlechtes Gewissen, wenn er an seine Familie denkt. Wenn es ihm sehr gut geht, dann kann er nicht anders, als den Kontakt zumindest kurzzeitig abzubrechen. Dann wird es zu schwierig.

Timo bereitet wieder mit einer Theatergruppe eine Aufführung vor. In dieser Phase der intensiven Probenzeit wird die Kluft zwischen seiner Familie dort im Krieg und seinem Leben hier in Frieden unerträglich groß. Er hat schon lange nicht mehr mit seinen Eltern telefoniert. Was soll er ihnen von sich erzählen? Dass er hier bei einer Theateraufführung mitmacht, Tanz- und Gesangsunterricht hat, und dass ihm das total Spaß macht – während sie in Aleppo fürchten, dass in ihrem Haus eine Bombe einschlägt? Wasser, Strom und Gas sind dort knapp. Lebensmittel sind um ein Vielfaches teurer geworden. Timo sagt, ein Kilo Tomaten kostet hundertmal mehr als früher. Es wird in den Telefonaten nicht viel über Geld geredet, aber irgendwie steht das Thema im Raum. Seinen Eltern ist es unangenehm, direkt zu sein und zu fragen, ob er ihnen Geld schicken kann – und er kann nicht erzählen, dass er kein Geld hat. Er fühlt sich dann schlecht, weil er keines verdient. Also reden sie Smalltalk: Wie geht es dir? Danke gut. Und dir? Ja, danke, geht so. Das ist schwer erträglich. Also ruft Timo nicht zurück. Aber dann hat er Angst, dass sie glauben, er hätte sie vergessen und würde nicht an sie denken. Ich glaube, er schämt sich in diesen Momenten auch für seine aufflammende Lebensfreude. Er meint, er wird dann anrufen, wenn er ihnen sagen kann, dass er Geld geschickt hat. Aber er hat kein Geld, es ist jedes Monat zu wenig. Das, was er über sein Leben hier erzählen könnte, würden sie nicht verstehen.

Ich werfe ein, dass es vielleicht noch andere Möglichkeiten gibt, miteinander zu kommunizieren. Er könnte einen Brief schreiben, ihn fotografieren und über whatsapp schicken, einen längeren Text, in dem sich Dinge besser erklären lassen. Er könnte anrufen und seinen Eltern die Wahrheit erzählen, dass der Smalltalk für ihn manchmal unerträglich ist, dass er sie liebt und dass sie nicht glauben dürfen, er hätte sie vergessen, nur weil er nicht anruft. Er schaut mich ungläubig an. Ich merke, wie weit weg das alles für ihn ist. Aber vielleicht bin ich auch einfach mit meinem Luxusleben weit weg von seiner Situation. Ich sage ihm, dass seine Mutter ihn liebt und ihn immer lieben wird, ob er anruft oder nicht, und dass sie ihn kennt, weil sie ihn aufgezogen hat. Eine Mutter kennt ihr Kind ja von ganz verschiedenen Seiten. Er meint, seine Mutter kennt ihn nicht mehr. Sie hat ihn schon so lange nicht gesehen, sie weiß nicht, wie er heute ist, wie er sich verändert hat. Wir schweigen. Timo ist von zu Hause weggegangen als er etwa vierzehn oder fünfzehn war. Jetzt ist er zwanzig.

Dann erzähle ich ihm, dass es vielen Burschen so geht, dass er nicht alleine ist. Mir fällt die Geschichte von Tajib ein: Tajib hatte vor ein paar Monaten eine neue Handynummer bekommen. Als ich ihn einmal gefragt habe, wie es seiner Mutter in Afghanistan geht, und ob sie schon gesund wäre, meinte er, er wüsste es nicht, sie hätten schon lange nicht mehr telefoniert. Ich war überrascht und verblüfft, aber ich wollte es mir nicht anmerken lassen. Ich schaute langsam weg. Er hatte ihr seine neue Nummer nicht gegeben. Tajib wirkte völlig sicher, als er mir das erzählte, irgendwie erwachsen, eine bewusste Entscheidung. Er hatte sich eine Auszeit gegeben, rief nicht an und wollte nicht angerufen werden. Wir schwiegen dann eine kurze Weile, ich lächelte ihn an und wechselte das Thema. Auch er ist heute etwa zwanzig, und auch er musste mit etwa vierzehn Jahren von zu Hause fortgehen.

Timo ist auch verblüfft, als ich ihm Tajibs Geschichte erzähle. Und, hat er dann angerufen, fragt er neugierig. Ich weiß nicht, antworte ich, ich glaube, bis jetzt noch nicht. Es ist ok anzurufen, und es ist ok nicht anzurufen, sage ich zu ihm.

Viele der geflüchteten Burschen hatten keine unbeschwerte Kindheit, und jetzt sind sie Jugendliche oder junge Erwachsene. Ich denke, sie brauchen unter anderem Orientierung und Grenzen. Aber ich bin nicht sicher, ob meine Orientierung auch für sie passt. Ich versuche manchmal bewusst abzuwägen, wenn ich ihnen etwas sage. Das geht nicht, das darfst du nicht machen, du musst… Das sage ich nur, wenn ich mir ganz sicher bin. Wichtig ist, dass du weißt, wer ein guter Freund ist, das sage ich oft zu den Burschen, die hier keine Familie haben. Da bin ich mir sicher. Aber immer öfter sage gar nichts. Vor allem wenn ich mir bewusst mache, wie sehr sich mein Leben von ihrem unterscheidet. Wenn andere sagen, du musst lernen, du musst die Deutschprüfung positiv machen, dann sage ich eher, du versuchst es, und wenn du es nicht schaffst, dann geht die Welt nicht unter. Ich kenne den Krieg nicht, ich habe ihn nie erlebt. Ich weiß nicht, ob ich sie wirklich verstehe. Und vor allem: Ich muss auch nicht alles verstehen.

Letztes Jahr verbrachte Timos Mutter mit ihrer Tochter ein paar Wochen einige Kilometer südlich von Aleppo bei einer entfernten Verwandten. Timo meinte, sie wollte ihrer Tochter ein Gefühl von „Urlaub“ vermitteln. Sie ist dann aber wieder mit ihr nach Aleppo zurückgekehrt, dorthin, wo in den folgenden Wochen der fürchterlichste Kugelhagel und Bombenterror begonnen hatte. Das habe ich überhaupt nicht verstanden.

Ich kenne so viele Burschen, die allein gekommen sind, und fast alle Familien sind zerrissen worden. Es gibt Eltern und Kinder, Brüder und Schwestern, die getrennt in verschiedenen Erdteilen leben und sich nicht besuchen können. Cousins, die mit ihrem Onkel fliehen und Dreizehnjährige, die auf die Reise geschickt werden. Manche dieser Geschichten sind unfassbar und völlig unverständlich für uns, und ich behaupte, manche machen uns auch wütend. Unverständnis und Wut liegen nahe beieinander. Ich glaube, dass auch die Toten im Mittelmeer bei uns verschiedene Gefühle hervorrufen. Es ist oft Trauer, aber es ist vor allem auch Bestürztheit und Unverständnis, die in Wut münden können. Wut darüber, dass jemand sein Leben oder das von Kindern so leichtfertig aufs Spiel setzt – für unsere Begriffe leichtfertig. Wut auch deswegen, weil wir gezwungen werden, uns damit auseinanderzusetzen, darüber nachzudenken und vielleicht sogar eine Entscheidung zu fällen, wie wir dazu stehen und wie wir darauf reagieren. Ich kann mir vorstellen, dass auch Politiker in Wirklichkeit Unverständnis und Wut empfinden.

Vielleicht hat es letztendlich auch etwas mit dem unterschiedlichen Umgang und der Erfahrungen mit Leben und Tod zu tun. Meine Erfahrungen mit dem Tod sind sehr beschränkt.

Mir gefällt irgendwie das Bild der jüdischen Therapeuten Hedi und Yumi Schleifer: Sich vorzustellen, jeder Mensch und jedes Volk lebt in seiner ganz eigenen Welt, die von der Geschichte und den eigenen Erfahrungen geprägt ist. Und wenn man die Welt des anderen Menschen oder des anderen Volkes verstehen will, muss man bewusst versuchen, eine Brücke in die andere Welt zu bauen. Am besten funktioniert das von beiden Seiten.